Begriff der Straftat

Straftat

strafbare Handlung, strafrechtliches Delikt

die einen strafgesetzlichen Tatbestand erfüllende (tatbestandsmäßige) rechtswidrige, schuldhafte Handlung. Das StGB teilt die Straftat in Verbrechen und Vergehen ein; keine Straftaten sind die Ordnungswidrigkeiten. Die Straftaten werden unter diversen Gesichtspunkten strukturiert.

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. 2016/11/07 13:42

Eine Straftat liegt vor, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:

  1. Die Tat muss im Strafgesetzbuch oder einem anderen Gesetz als verbotene Tat beschrieben und mit einer Strafe bedroht sein.
  2. Der Täter muss rechtswidrig gehandelt haben, also ohne Rechtfertigungsgründe (z.B. Notwehr bei einer Tötung).
  3. Der Täter muss schuldhaft, also bei vollem Bewusstsein, gehandelt haben.

Quelle: Thurich, Eckart: pocket politik. Demokratie in Deutschland. überarb. Neuaufl. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2011. 2016/11/07 13:14

Verbrechen

i.e.S. eine Straftat, die gemäß der Zweiteilung der Straftaten in Verbrechen und Vergehen im StGB (§ 12) im Mindestmaß mit Freiheitsstrafe von einem Jahr oder darüber bedroht wird. Der Versuch eines Verbrechens ist stets strafbar (§ 23 StGB). Die erfolglose Anstiftung (§ 30 Abs. 1 StGB), die Verabredung einer Straftat, das Sich–bereit-Erklären, die Annahme eines Anerbietens dazu (§ 30 Abs. 2 StGB) sowie die Bedrohung mit einer solchen (§ 241 StGB) sind nur dann strafbar, wenn sie ein Verbrechen betreffen. Der Verlust der Amtsfähigkeit und der Wählbarkeit ist nur bei Verbrechen möglich (§ 45 StGB). Im Prozessrecht hat das Vorliegen eines Verbrechens Bedeutung für die sachliche Zuständigkeit der Gerichte (§§ 25, 74 Gerichtsverfassungsgesetz). Außerdem ist bei Verbrechen eine notwendige Verteidigung vorgesehen (§ 140 Abs. 1 Nr. 2 StPO). Ein Verbrechen kann nicht durch Strafbefehl geahndet werden (§ 407 StPO), eine Einstellung des Strafverfahrens nach §§ 153, 153 a, 154 d StPO ist bei Verbrechen ausgeschlossen.

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. 2016/11/07 13:46

Vergehen

nach § 12 StGB eine Straftat, die im Mindestmaß mit Freiheitsstrafe von weniger als einem Jahr oder mit Geldstrafe bedroht ist. Verbrechen.

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. 2016/11/07 13:46

Rechtswidrigkeit

Widerrechtlichkeit

Verstoß einer Handlung oder Unterlassung gegen die Verbote oder Gebote des Rechts (Handlungsunrecht, Erfolgsunrecht). Der Rechtswidrigkeitsbegriff ist in allen Rechtsgebieten gleich zu beurteilen. Rechtswidriges Tun kann die Unwirksamkeit von Rechtsgeschäften, die Pflicht zur Schadensersatzleistung oder, falls dies gesetzlich bestimmt ist und der Täter auch schuldhaft handelt, Strafbarkeit nach sich ziehen. Im Strafrecht ist die Rechtswidrigkeit nach neuerer Ansicht das auf materieller Sozialschädlichkeit beruhende Unrecht. Die Erfüllung eines gesetzlichen Straftatbestandes ist allerdings grundsätzlich nur ein Indiz für die Rechtswidrigkeit der tatbestandlichen Handlung. In jedem Fall ist daher zu prüfen, ob wegen des Vorliegens eines Rechtfertigungsgrundes die Rechtswidrigkeit entfällt.

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. 2016/11/07 13:23

Schuld

Schuldfrage, Schuldspruch, Schuldausschließungsgründe

die Vorwerfbarkeit der Willensbildung des Täters. Sie setzt voraus, dass der Täter statt des rechtswidrigen einen normgemäßen Handlungswillen hätte bilden können. Im Einzelnen ist der Schuldbegriff in der Strafrechtswissenschaft sehr umstritten. Das Vorliegen von Schuld ist Voraussetzung jeder Bestrafung; dieses Prinzip ist nach allgemeiner Auffassung durch den Grundsatz der Menschenwürde (Art. 1 GG) auch verfassungsrechtlich abgesichert. Auch ist die Schuld des Täters »Grundlage für die Zumessung der Strafe« (§ 46 Abs. 1 Satz 1 StGB). Dogmatische Elemente der Schuld sind die Schuldfähigkeit (Schuldunfähigkeit), die Schuldform (Vorsatz und Fahrlässigkeit), das Unrechtsbewusstsein und das Fehlen von Entschuldigungsgründen.

Die Schuldfrage im Strafprozess geht dahin, ob der Angeklagte der ihm zur Last gelegten Straftat schuldig ist. Die Frage wird mit einem Freispruch oder einem Schuldspruch beantwortet – im Unterschied zur Frage nach dem Strafmaß (Rechtsfolgenausspruch). Die Schuldfrage besteht aus der Beweisfrage, ob die Tat und ihre Begehung durch den Angeklagten erwiesen ist, und aus der Frage der Gesetzesanwendung (Subsumtion), ob ein im Strafgesetz bezeichneter Tatbestand vorliegt. Sie umfasst ferner das Vorliegen der die Strafe ausschließenden, mindernden oder erhöhenden Umstände. Zur Bejahung der Schuldfrage (wie auch der Straffrage) ist im Strafprozess eine Mehrheit von zwei Dritteln der zur Entscheidung berufenen Stimmen erforderlich (§ 263 StPO).

Schuldausschließungsgründe sind besonders Schuldunfähigkeit (§ 20 StGB), unvermeidbarer Verbotsirrtum (§ 17 StGB, Irrtum) und entschuldigender Notstand (§ 35 StGB). Davon zu unterscheiden sind die Entschuldigungsgründe, die lediglich zu einer Herabsetzung des Unrechts- und Schuldgehalts unter die Schwelle der Strafwürdigkeit führen.

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. 2016/11/07 13:28

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ska/content/notwehr/straftat.txt · Zuletzt geändert: 2016/11/07 14:11 von Christian Michael
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